KHR Kraftwerke Hinterrhein AG
Kraftwerke Hinterrhein KHR AG

Valle di Lei

Der Rhein entspringt auch in Italien.

Valle di Lei Staubecken
Valle di Lei Staubecken
Das 53 km2 grosse Alpental Valle di Lei gehört zum Einzugsgebiet des Hinterrheins, ist aber italienisches Territorium. Die Landesgrenze beim Zusammenfluss des Reno di Lei mit dem Averserrhein wurde 1865 so festgelegt, dass die Strasse ins Avers noch auf schweizerischem Territorium liegt.

zur Panorama-Ansicht der Stauanlage

Früher gehörte das Valle di Lei – wie auch das Schams und das Avers – den Grafen von Werdenberg-Sargans. 1462 verkauften sie das von Norden schlecht zugängliche Tal der Gemeinde Piuro in der Nähe von Chiavenna. Alpgebiete waren von den Bauern aus Piuro und Umgebung begehrt, und so wurde auch der mühsame Zugang über den 2400 m hohen Angelogapass in Kauf genommen. Auf den 15 Alpen wurden einfache Hütten aus Stein errichtet, die im Sommer von kinderreichen Familien bewohnt wurden.

Staumauer Valle di Lei im Nebel
Staumauer Valle di Lei im Nebel
Durch den Stausee Valle di Lei wurden die Weideflächen und Gebäude im Talgrund unter Wasser gesetzt. Nach Möglichkeit wurde den betroffenen Eigentümern Realersatz geboten; andere wurden finanziell entschädigt. Die Anzahl der Alpen reduzierte sich so auf zehn.
Stausee Valle di Lei
Stausee Valle di Lei
Die Erschliessung des Tals wurde durch den Kraftwerksbau bedeutend verbessert: Gab es früher lediglich den Fussweg über den Angelogapass, so kann man heute bequem über den Splügenpass ins Rheinwald und weiter ins Valle di Lei fahren. Für die Alpbewirtschaftung führt die so genannte Seestrasse etwa 9 km weiter bis zur hintersten Alp, Pian del Nido.

Das Valle di Lei ist zu einem beliebten Ausflugsziel geworden. Technisch Begeisterte kommen hier ebenso auf ihre Rechnung wie Naturliebhaber.

Imposant und grenzüberschreitend.

Kernstück der Anlagen der KHR ist der 197 Mio. m3 fassende Stausee Valle di Lei. Aufgestaut wird er durch eine Bogenmauer mit einer maximalen Höhe von 138 m, einer Kronenlänge von 635 m und einer Betonkubatur von 840 000 m3. Die Staumauer lag ursprünglich auf italienischem Gebiet, gelangte aber nach ihrer Vollendung durch einen Gebietsabtausch zwischen den beiden Ländern auf Schweizer Boden. Fast der ganze Stausee – und auch das zugehörige natürliche Einzugsgebiet, aus welchem rund ein Drittel des aufgestauten Wassers stammt – liegen in Italien. Rund zwei Drittel des Wassers werden aus den Tälern Avers, Madris und Niemet zugeleitet oder von der Zentrale Ferrera hochgepumpt.

Gegen Ende September wird normalerweise der höchste, etwa Ende April der tiefste Seestand erreicht. Bei Kote 1931 m. ü. M. ist das Stauziel erreicht. Über diesem Stand verhindert eine Hochwasserentlastung das Überströmen der Mauerkrone. Das Senkungsziel ist bei Kote 1830 m. ü. M. Da eine gewisse Reserve gehalten wird, erreicht man diese Kote nur selten.

Die Staumauer wird ständig genau überwacht. Monatlich werden 127 Messwerte erfasst, alle drei Monate sogar 235. Hinzu kommen Messungen bei minimalem und maximalem Seestand, so dass sich ein Jahrestotal von 2690 Messwerten ergibt. Seit 1994 werden die Messwerte der wichtigsten Messeinrichtungen automatisch ins Verwaltungsgebäude in Thusis übertragen. Es sind dies:

  • 4 von 18 Lotablesungen
  • 10 von 66 Betontemperaturen
  • 7 von 175 Auftriebsdrücken
  • 3 von 116 Sickerwassermessungen
  • 4 von 26 Felsverformungen
  • Seestand

 

Ein Werk der Superlative.

Die Stauanlage Valle di Lei ist eine Meisterleistung italienischer Ingenieure, Bauunternehmen und Arbeitskräfte. Vor Beginn der eigentlichen Bauarbeiten musste die Baustelle erst erschlossen werden, war doch das Tal zuvor nur zu Fuss erreichbar gewesen. Von Campodolcino aus wurden zwei 15 km lange Seilbahnen errichtet – die eine für Personen, die andere für Material. Von Norden her musste zunächst die Averserstrasse ausgebaut werden. Dann wurde eine Fahrstrasse zum Tunnelportal errichtet und schliesslich der Zufahrtstunnel erstellt. Zu realisieren war ausserdem eine Infrastruktur zur Unterbringung von 1500 Mann.

Hoch oben an der rechten Talflanke, auf italienischem Gebiet, wurde ein Steinbruch eröffnet. Einen zweiten Steinbruch nahm man später auf schweizerischem Gebiet, oberhalb der Alp Campsut, in Betrieb. In diesen Steinbrüchen wurde das Material für die Zuschlagstoffe (Sand und Kies) gewonnen, das dann in der Betonaufbereitungsanlage an der rechten Talflanke gebrochen, nach Korngrösse sortiert und in Silos gelagert wurde. Mit der Materialseilbahn konnten stündlich 50 t Zement transportiert werden. Während der gesamten Bauzeit wurden so fast 250 000 t befördert. In der Betonaufbereitungsanlage wurden Tagesleistungen von 2500 bis 3000 m3 erreicht.

Die Staumauer Valle di Lei hat ein Betonvolumen von 840 000 m3; das Stauvolumen ist 229 Mal grösser (197 Mio. m3). Im Vergleich dazu erreicht die Schwergewichtsmauer Grande Dixence bei einem Betonvolumen von 6 Mio. m3 lediglich ein 66 Mal grösseres Stauvolumen (400 Mio. m3). Die Staumauer Valle di Lei ist aber auch im Vergleich zu anderen Bogenmauern ganz vorne in der Rangliste – obwohl die Mauerkorne aus militärischen Gründen 15 m stark ausgeführt wurde (für die konstruktive Sicherheit hätte eine Kronenstärke von 7 m genügt).

Die Bauarbeiten im Valle di Lei wurden im Sommer 1957 aufgenommen und nach der Leistung von rund 1 080 000 Manntagen im Herbst 1962 mit dem ersten Vollstau beendet.




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